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Steuervorteile fürs Hotelgewerbe

Nicht nur der Preis zählt - von Michael Bergius

• Gilt dies auch für Ferienwohnungen, Pensionen und Stundenhotels?

Berlin. Die Preise für Hotelübernachtungen dürften trotz der von der Bundesregierung beschlossenen Steuervorteile für die Branche nicht in großem Stil fallen. Wie aus einer Umfrage der Frankfurter Rundschau hervorgeht, möchte der Sektor die vom 1. Januar 2010 an geltende Minderung der Mehrwertsteuer zwar an die Kundschaft weitergeben - dies aber nur zu einem geringen Teil in Form von günstigeren Tarifen. Schwarz-Gelb hatte ungeachtet weit verbreiteter Proteste kürzlich eine fiskalische Ausnahmeregelung für das Hotelgewerbe durchgeboxt: Statt des ansonsten üblichen Mehrwertsteuersatzes von 19 werden vom kommenden Freitag an nur noch sieben Prozent fällig. Der reduzierte Satz gilt jedoch lediglich für Übernachtungen; Frühstück und andere Leistungen werden weiterhin normal besteuert, was der Maßnahme bereits den Vorwurf der Bürokratie-Vermehrung eingetragen hat. Die Mindereinnahmen für den Fiskus wegen dieser Sonderlösung werden auf jährlich rund eine Milliarde Euro beziffert.


Branchenvertreter preisen das Berliner Präsent und geloben, es auch im Sinne ihrer Kunden einzusetzen. Die Minderung der Steuerlast "gibt uns die notwendigen Handlungsspielräume, um für unsere Gäste attraktivere Angebote machen zu können", sagt Marcus Smola, Deutschland-Geschäftsführer der Hotelkette Best Western. "Wir geben den steuerlichen Vorteil direkt und indirekt an unsere Gäste weiter." Was verbirgt sich hinter diesem Versprechen? Die Nummer drei der deutschen Hotellerie wolle "verstärkt" in Renovierung und Qualitätsverbesserungen investieren sowie die Weiterbildung und adäquate Entlohnung der Mitarbeiter sichern, verrät Smola. Ferner werde eine "sensible Preisgestaltung marktgerechte Preise ermöglichen".

Ähnliche Zusagen macht Michael Kirsch vom Branchenführer Accor. Die Steuerreduzierung werde im internationalen Vergleich "Wettbewerbsgleichheit für viele am Rande des Existenzminimums arbeitende Häuser schaffen", sagt er der FR. Viele Hotels hierzulande hätten "dringend" Renovierungs- und Ausbaubedarf. Die Gäste könnten sich auf ein "verbessertes Preis-Leistungsverhältnis" freuen, ist sich der Accor-Sprecher sicher. Wie jenes in Zahlen aussehen wird, und ob in der Branche auch Neueinstellungen anstehen, vermag Kirsch derzeit nicht abzuschätzen. Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) gibt sich in diesem Punkt bedeckt. Aktuell wisse man noch nicht, wie die Hotels im Einzelfall auf die Steuerentlastung reagieren würden, sagt Verbandssprecherin Stefanie Heckel der FR.

Mehrwertsteuersenkung für Hotels in Waren (Müritz)

Im vergangenen April (acht Monate vor der Gesetzesänderung) habe eine "rein hypothetische Umfrage" des Dehoga ergeben, dass die Hoteliers wohl nur gut ein Fünftel der erwarteten Einsparungen für Preissenkungen einsetzen wollten. Gewinnmitnahmen ohne Gegenleistung werde es jetzt nicht geben, glaubt Heckel. "Die Hoteliers wissen natürlich, dass es nach der Absenkung der Mehrwertsteuer einen gewissen Erwartungsdruck aus der Bevölkerung und aus der Politik gibt." Gelassen geben sich die Branchenvertreter, was das Problem der Geschäftsreisenden betrifft: Hier droht ein Einbruch, da viele Unternehmen durch das Berliner Weihnachtsgeschenk der Möglichkeit beraubt werden, Dienstübernachtungen steuerlich abzusetzen. Hier werde man eine für alle Seiten gute Lösung finden.

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