Zurück zur Nachrichtenübersicht

Tourismusentwicklung in Waren

Waren (AK/H.Timm). Der offizielle Teil der letzten Stadtvertretersitzung, der dritten dieser Legislaturperiode, war in der vergangenen Woche Mittwoch fast zuende, da stellte Daniel Borchardt (18, Fraktion „Die Linke.“) die so genannte „kleine Anfrage“ an die Verwaltung bezüglich Urlauber- und Tourismusentwicklung in Waren.
Er formulierte: Die Stadt... „stellt derzeit 2 160 Betten für Urlauber und Gäste zur Verfügung. Nach derzeitiger Kenntnis meiner Fraktion wird angestrebt, die Übernachtungszahl von 50 000 im Jahr 2008 auf 90 000 im Jahr 2020 anzuheben.

Daraus ergaben sich für uns eine Reihe von Fragen. Unter anderem solche wie: entfernt sich Waren vom Ziel ,sanfter Tourismus‘, werden die Interessen der Einwohner sekundär und die Interessen der Wirtschaft im Tourismussektor primär vertreten, brauchen wir weitere Hotels? Zurzeit gibt es, außer im Hotelbereich, kein Konzept für die Entwicklung bis zum Jahr 2020, das aufzeigt, wie Waren (Müritz) weitere Touristenmassen aufnehmen kann“ - Anfrage Ende.

Schwanenfamilie auf der Müritz



















Eine Antwort der Verwaltung wurde binnen 14 Tage erbeten. Nach AK-Recherchen und Befragungen verschiedener Tourismusexperten der Kreisstadt ergab sich folgender Sachverhalt: Grundlegend wurde festgestellt, dass die Interessen der Einwohner und die Interessen der Urlauber nicht im Widerspruch stehen (müssen), ganz im Gegenteil: Ein Großteil der berufstätigen Bevölkerung verdankt den Job dem Tourismus.

Die Herkunft der Zahlen der Linken-Fraktion sei unbekannt und entspräche auch nicht tatsächlichen Größenordnungen. Beispielsweise werden über die Waren (Müritz)- Information etwa 760 Privatvermieter sowie 40 Hotels und Pensionen vermittelt. Diese liegen nicht alle in Waren selbst, sondern auch in der näheren Umgebung. Diese 800 Adressen entsprechen etwa 1300 gewerbliche Betten. Im Jahr 2003 waren dies etwa 1000 Betten. Immer zuzüglich derer, die nicht über die WMI „laufen“. Mehr noch: Karin Schröder als Leiterin besagter KUR- Einrichtung weiß, dass „schon lange keine zweistelligen Zuwächse jährlich“ erreicht werden. Eher sei „Stagnation mit sehr geringen Trends“ festzustellen.

linktausch partner Ferienwohnungen

„Wir haben in den letzten vier bis fünf Jahren kaum nennenswerte Zuwächse zu verzeichnen, eher eine gewisse konstante Zahlenkonstellation“, so Karin Schröder. Die Veranstaltungen mit „Remmi-Demmi-Faktor“, wie sie der Volksmund nennt und zu denen Daniel Borchardt „Mallorca-Faktor“ sagt, haben nachweislich zugenommen. Damit sind nicht nur die Veranstaltungen spät abends gemeint, sondern auch die vielen Innenstadtevents am Tage, von denen stets die Lange Straße und der Neue Markt, beziehungsweise deren Einwohner betroffen sind. Das Problem ist also nicht neu. Man darf auf die Antwort der Stadtverwaltung gespannt sein.

zum Seitenanfang

„Staatlich anerkanntes Heilbad“

Waren (AK/H.Timm). In der Tat: Schon Anfang der 1990er Jahre, als der Begriff eines „sanften Tourismus“ aufkam und durch die Kommunalpolitik „geisterte“, gab es hilflose Definitionsversuche. Aber eines stand auch damals schon fest: „Sanfter Tourismus“ und „Massentourismus“ haben nichts gemeinsam. Nun befürchtet der Stadtvertreter Daniel Borchardt (18, Die Linke), dass sich der Luftkurort Waren (Müritz) von der einstigen Zielsetzung eines sanften Tourismus entfernt und richtete entsprechende Anfragen an die Stadtverwaltung (AK berichtete).

Ferienwohnungen Waren Müritz

Nun gibt es zunächst eine schriftliche Antwort des Bürgermeisters, Günter Rhein (SPD), zur Tourismusentwicklung (liegt AK in Kopie vor). Grundsätzlich stellt Rhein fest: „Die Tourismusentwicklung... vollzieht sich auf der Grundlage der kontinuierlichen Entwicklung und Vernetzung der Potenziale entsprechend des ,Alleinstellungsfähigen Angebotes‘“ und verweist auf das Kurortentwicklungskonzept, das die Warener Stadtvertretung im Mai 1995 beschloss. Dies Papier sei für alle Verantwortlichen Handlungsrichtschnur und bedeute „keine Entfernung vom "sanften Tourismus"“, sondern der Weg zum Ziel eines „staatlich anerkannten Heilbades“, so Rhein weiter.

„Die Entwicklung der Beherbergungskapazitäten in Umfang und Struktur muss sich selbstverständlich den örtlichen Gegebenheiten und Erfordernissen anpassen“, immer in Abwägung von kommunalen Interessen und privaten Investitionsvorhaben. Rhein betont die „Ausnutzung der örtlichen Potenziale (Thermalsolenutzung) sowie die Erfassung und Bewertung der Kapazitäten - dies insbesondere in Hinblick auf die „derzeit aktuellen Vorhaben im Bereich ,Kurgebiet‘ und ,Alte Sägewerke‘“.

Nadelwald bei Waren



















Eine letzte Bewertung hierzu führt Rhein aus dem Jahr 2002 an. Auch von 2002 stammen angeführte Zahlen der „ortsbezogenen Fremdenverkehrsintensität“, die das Verhältnis von (gewerblichen) Gästeübernachtungen je 1000 Einwohner angeben. Diese liege in Waren bei 4 956, im Landkreis Müritz bei 15 840; wohl bemerkt im Jahr 2002. Für die ganze BRD bei 4 125, für das Bundesland M-V bei 10 200. Aktuellere Zahlen als aus 2002 sind nicht vorhanden. Allerdings räumt auch Rhein ein: „Selbstverständlich erfordern steigende Besucherzahlen... neue innovative Lösungen zur Tourismus- und Verkehrslenkung, zum Schutz der Natur und Gewässer, zur Organisation und Durchführung von verschiedensten Veranstaltungen usw.

Ferienwohnungen

Dieser Abwägungsprozess ist ständig auf den Prüfstand zu stellen und zu aktualisieren. Beispielhafte aktuelle Probleme über die Art und den Umfang der Veranstaltungstätigkeit, der Verkehrsbelastung der historischen Altstadt, der Überarbeitung der Hafennutzungskonzeption und die Parkplatzsituation insbesondere für den stark zunehmenden Tages- und Busreiseverkehr bedürfen neuer perspektivischer Lösungen... Der Dienstleistungssektor... (wird) expandieren, weitere Existenzgründungen werden folgen. Die Bevölkerung wird von diesem Prozess partizipieren“, so im wesentlichen Bürgermeister Günter Rhein zur Anfrage des Stadtvertreters Daniel Borchardt. Dieser ließ indes keinen Zweifel daran aufkommen, dass ihn die eher allgemein gehaltene Antwort mit viel Pathos und weniger aktuellen Zahlen keineswegs zufrieden stellt. Auch liefen die Auffassungen deutlich auseinander.

Accommodation Mauritius

zum Seitenanfang