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Waren (Müritz) - ein Wintermärchen

Ein Wintertag an der Müritz – mit dem Brandenburg-Berlin Ticket kommt man auch bis Waren (Müritz). Sie murmelt und gurgelt, kracht und knistert – die Müritz lebt in ihrem gläsernen Sarg. Eine geschlossene Eisdecke hat sie sich übergezogen – knapp 20 Zentimeter dick, an den meisten Stellen eben wie ein Spiegel. Ein Glücksfall und eine Herausforderung für alle, die schon immer einmal den größten Binnensee Deutschlands auf Schlittschuhkufen überqueren wollten. Glücksfall, weil das nun wirklich nicht alle Winter vorkommt. Eine Herausforderung, weil die Müritz in ihrer Nord-Süd-Ausdehnung immerhin 29 Kilometer misst. Da muss dem Ehrgeizigen auch noch genug Kraft für den Rückweg übrig bleiben.

Eisfest in Waren-Müritz


















Ein weitaus geruhsameres Eisvergnügen genießt Gerhard Staroske. Mit einem Spezialwerkzeug hat er ein Loch ins Eis gebohrt und liefert schon kurze Zeit später den Beweis für die lebendige Müritz unter dem Eispanzer. Ein kleiner Barsch hat das blinkende Metallfischchen am Angelende als Beute Ernst genommen. Nun büßt er den Irrtum mit dem Leben. Ein gutes Dutzend Barsche hat Gerhard Staroske an diesem Tag gefangen. „Alle, die kleiner sind als 20 Zentimeter, kommen in den See zurück, die größeren heute Abend in die Pfanne.“ Macht Angeln bei dieser Kälte Spaß? „Mir ja! Es ist genau so erholsam wie im Sommer. So dickes Eis hatten wir lange nicht.“ Jeder, der einen Angelschein hat, darf sich das frostige Frischluftprogramm gönnen. Aber was geht im Winter an die Angel? „Barsche vor allem. Wenn man Glück hat auch Zander und Hecht.“ An den Wochentagen werden die Eisangler nur selten von Schlittschuhläufern oder Eisseglern in ihrer Ruhe gestört. Doch selbst wenn am Wochenende Tausende die seltene Möglichkeit nutzen, über das Wasser zu gehen, bleibt auf der riesigen Natur-Sportarena genügend Platz für jedes Pläsier.

Ist die Winterwetterlage weiter stabil, so wird es auch an den kommenden Wochenenden auf dem Kölpinsee gleich an der Stadt ein Eisfest mit Sport, Spaß, Erbsensuppe und Glühwein geben. Schmilzt die Eisdecke, bleiben immer noch die Reize der Stadt, die Wanderwege im nahen Müritz-Nationalpark und vor allem das „Müritzeum“. Hier kann man der Natur auch bei miesestem Wetter sehr nahe kommen – auf ebenso informative wie spielerische Weise.

Eisfest in Waren-Müritz


















Da bringt sich ein riesiger Hecht regelrecht in Kamera-Position, kann man die eleganten Bewegungen eines Schwarms silberglänzender Maränen beobachten, neugierigen Regenbogenforellen direkt ins Maul schauen oder den Hirsch per Knopfdruck zum Röhren veranlassen. See, Wald und Moor geben ihre Geheimnisse preis. Und wer meint, das alles schon gesehen zu haben, erlebt es hier ganz anders.

Urlauber im Januar an der Müritz? Tausende sind es nicht, doch vielleicht liegt gerade darin das Reizvolle, wenn man den See, die hübsche kleine Stadt, die Kuschelecke am Hotelkamin nur mit wenigen ebenso Ruhebedürftigen teilen muss. Waren an der Müritz kann zwar weder mit einer glorreichen Vergangenheit noch imperialen Besuchern aufwarten, doch schließt sich der Besucher der abendlichen Führung an, die immer freitags um 18 Uhr am Haus des Gastes beginnt, so lernt er in den folgenden Stunde den Charme der Altstadt kennen. Er erfährt, dass es der mehrfach abgebrannten Stadt am großen See einst „gelang“, sogar den Wasserturm abzufackeln. Oder warum nannte man die Richterstraße einst die Scharfrichterstraße und „vullschetten emmer straat“ (wer kein Plattdeutsch versteht, kann ja den Stadtführer um die Übersetzung bitten). Da bleibt nach dem informativen Spaziergang sogar noch Zeit in einem der vielen gemütlichen Restaurants für eine Fischplatte und ein Glas Wein – mit Seeblick.

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